Donath neuer Kommandant: Feuerwehr will Kontinuität

02.06.2020

Donath neuer Kommandant: Feuerwehr will Kontinuität

Donath neuer Kommandant: Feuerwehr will Kontinuität

Donath neuer Kommandant: Feuerwehr will Kontinuität

Verwaltungsausschuss des Gemeinderats wählt den seitherigen Vize Matthias Donath zum neuen Kommandanten. Familienvater aus Dürrmenz gilt als bewährte Kraft und erfahrener Einsatzleiter. Tarifliche Einstufung sorgt hinter den Kulissen für Diskussionsstoff.
Mühlacker. Die Stadt Mühlacker hat, wenngleich noch unter leichtem Vorbehalt, einen neuen Feuerwehrkommandanten. Mit einer klaren Mehrheit hat sich der Verwaltungsausschuss in einer nichtöffentlichen Sitzung am Montagabend für den langjährigen ehrenamtlichen Vize-Kommandanten Matthias Donath ausgesprochen. Er wird Nachfolger von Philipp Baumann, der im März auf eine neue Stelle in Nordrhein-Westfalen gewechselt war.

Mit der Entscheidung für den bisherigen Stellvertreter ist das Gemeinderatsgremium der Empfehlung des Feuerwehrausschusses gefolgt, der sich dem Vernehmen nach einstimmig für Donath ausgesprochen hatte. Der 43-jährige Dürrmenzer steht nicht nur für eine Lösung aus den eigenen Reihen, sondern vor allem für Kontinuität, die seit der Ära des 2012 verstorbenen Bernd Straile, der vor seinem Wechsel nach Schwäbisch Gmünd im Sommer 2009 zehn Jahre lang an der Spitze der Mühlacker Feuerwehr gestanden hatte, schmerzlich vermisst wurde. Der Abschied von Ralph Keipp 2017 war mit heftigen Diskussionen um seine Art der Amtsführung verbunden, und Philipp Baumann, der aus Hamburg nach Mühlacker gekommen war, zog es nach nur zweieinhalb Jahren aus persönlichen Gründen weiter. Er sei sehr zuversichtlich, ließ in einer ersten Reaktion nach der Wahl Oberbürgermeister Frank Schneider verlauten, „dass nach den mehrmaligen Wechseln auf Kommandanten-Ebene die Feuerwehr über eine erfahrene Spitze verfügt, die einen großen Rückhalt in der Feuerwehr hat“.

„Jeder Kommandantenwechsel bringt auch eine gewisse Unruhe mit sich“, bestätigte Matthias Donath, der seit bald 30 Jahren zur Feuerwehr Mühlacker gehört und für den Sprung an die Spitze seinen Posten als Projektleiter bei der Lomersheimer Firma elumatec aufgeben will. Als Auszubildender bei der Firma Ritter war der gelernte Elektriker als 16-Jähriger von den Arbeitskollegen zum Einstieg bei der Feuerwehr animiert worden und hatte hier alle Ausbildungsstufen und Lehrgänge bis zum Hauptbrandmeister und Verbandsführer absolviert. Seit 2007 ist er Kommandant der Abteilung Mühlacker und seit zehn Jahren – gemeinsam mit Marco Reichenbach aus Enzberg – stellvertretender Stadtkommandant. Mit der Wahl zum „Leitenden Hauptbrandmeister“ mache er sein Hobby zum Beruf, sagt Donath, wobei die Führungsarbeit für ihn nicht neu sei. „In den vergangenen Jahren bin ich oft eingesprungen und war immer wieder kommissarisch der Ansprechpartner in allen Fragen – jetzt wird es eben offiziell.“

Die Freiwillige Feuerwehr Mühlacker mit ihren 178 aktiven Mitgliedern und sechs hauptamtlichen Kräften plus Altersabteilung und Jugendfeuerwehr hat laut Donath, der sich als Einsatzleiter in verschiedensten Situationen bewährt hat, hoch motivierte Helfer, und die Ausrüstung mit einem modernen Fuhrpark sei „fast schon sehr gut“, bedankt er sich an die Adresse von Verwaltung und Gemeinderat, „die der Feuerwehr noch nie etwas abgeschlagen haben“. Trotz der unterschwelligen Kritik aus Feuerwehrkreisen am Konzept für die neue Hauptfeuerwache am Senderhang sieht Donath im bevorstehenden Umzug die Chance auf einen echten Neuanfang. „Uns ist bewusst, dass die Stadt und der Gemeinderat für das neue Domizil viel Geld in die Hand genommen haben“, betont der designierte neue Feuerwehrchef, „und klar ist: Es wird eine 500-prozentige Verbesserung gegenüber heute.“ Noch ausstehende Detailfragen müssten im engen Dialog mit Verwaltung und Gemeinderat geklärt werden, wie er überhaupt dafür eintreten wolle, mögliche Unstimmigkeiten offen und rasch zu klären, bevor sich Unzufriedenheit anstaue.

Im Spätsommer oder Frühherbst, vermutet Matthias Donath, könnte, wenn alles nach Plan laufe, ein erster Probelauf in der neuen Wache stattfinden, um danach, gegen Ende des Jahres oder zu Beginn des neuen Jahres, einen etappenweisen Umzug aus dem alten Domizil an der Rappstraße in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig hält er die räumliche Lösung für die Abteilung Lomersheim, die als Ersatz für das enge Gerätehaus an der Turmstraße in eine ehemalige Zimmerei-Halle im Gebiet Im Letten umziehen wird, für besonders wichtig. Aus seiner Erfahrung heraus gebe es keinerlei Grund, die Berechtigung von Stadtteil-Wehren in Zweifel zu ziehen, so Donath, weil sie nicht nur im Heimatort schnelle Hilfe garantierten, sondern umgekehrt auch der Abteilung Mühlacker bei größeren Einsätzen zur Seite stünden. „Wir können auf eine starke Mannschaft wie in Lomersheim nicht verzichten.“

Der Ausbildungsstand in der Freiwilligen Feuerwehr Mühlacker sei hoch, sagt der bisherige Vize, wobei sich die Anforderungen ständig änderten und verschärften. So seien allein für die Arbeit mit der Kettensäge, nennt Donath ein Beispiel, verschiedene Lehrgänge notwendig, die viel Zeit und Geld kosteten. „Nicht umsonst üben wir jeden Montag und haben oft auch dienstags und mittwochs Zusatztermine, um die Einsatztaktik zu besprechen und das Level in allen Abteilungen hoch zu halten.“ Bei neuen Aufgabenstellungen wie der Einrichtung eines Hygienecontainers, in dem sich Einsatzkräfte an Ort und Stelle von krebserregenden Stoffen dekontaminieren können, sei sein Bestreben, alle Abteilungen einzubeziehen, um auf diese Weise auch die Verantwortlichkeiten auf viele Schultern verteilen zu können.

Will heißen: Der neue Feuerwehr-Chef setzt auf einen starken Zusammenhalt, der in der Vergangenheit unter immer neuen Personaldiskussionen – teilweise garniert durch anonyme Drohschreiben an Stadträte – gelitten hatte. Solche atmosphärischen Störungen sollen, geht es nach Matthias Donath, künftig der Vergangenheit angehören, wobei jedoch hinter seiner eigenen Wahl noch ein Fragezeichen steht. Nach Informationen des Mühlacker Tagblatt wehrt sich der Personalrat aus Gründen der Gleichbehandlung gegen die (über-)tarifliche Einstufung des designierten Kommandanten, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern kein Beamter, sondern Angestellter der Stadt wäre. Inwieweit diese internen Differenzen – der gemeinderätliche Verwaltungsausschuss steht, wie die Wahl am Montag zeigte, mehrheitlich hinter Donath – das weitere Verfahren bis zur offiziellen Ernennung verzögern könnten, wird sich in den kommenden Wochen weisen.

Quelle: Mühlacker Tagblatt vom  27.05.2020

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